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Montag 01. Juli 2019

 

Wir sind am ersten Tag ganz gemütlich angekommen und haben uns erstmal angemeldet. Danach haben wir unsere Zimmer zugewiesen bekommen. Durch eine kleine Begrüßung haben wir schon mal die Namen von Allen gehört. Wir wurden dann auch anschließend unseren Wachgruppen zugeordnet.

Unsere Wachführer haben uns nach einer kleinen Kennenlernrunde das Schiff gezeigt. Ich fand die Vorstellrunde eine gute Idee, da man dadurch seine Gruppenmitglieder ein Stück weit kennengelernt hat. Anschließend gab es ein leckeres Abendessen. Danach spielten wir ein kleines Spiel, in dem wir uns nach verschiedenen Kriterien der Reihe nach sortieren und aufstellen sollten. Dies hat sehr viel Spaß gemacht. Später haben wir uns dann noch abgesprochen, wer welche Nachtwache macht.

Manche haben noch freiwillig dabei geholfen das Geschirr vom Abendessen abzuwaschen.

Es war ein sehr spannender und spaßiger erster Tag zum Kennenlernen.

 

von Jakob

 

 

Dienstag 02. Juli 2019

 

Heute ist unser erster richtiger Tag auf der Thor. Die Nacht war ruhig, jedenfalls für mich, denn ich hatte noch keine Nachtwache. Leider war auch fast kein Seegang, weswegen ich mich beim Aufwachen erstmal wieder daran erinnern musste, dass wir auf einem Schiff sind. Wir sind gestern nur ein kleines Stück gefahren und noch in der Kieler Bucht vor Anker gegangen.

Beim Zähneputzen habe ich dann einen phänomenalen Ausblick. Aus dem kleinen Bullauge schaue ich direkt übers Wasser auf die Bucht. Auch das Frühstück ist lecker. Es gibt sogar frischen Obstsalat!

Als ich später nach draußen trete, überkommt mich die Segellust. Die Sonne scheint und es weht eine leichte Brise. Doch das Wetter auf See ändert sich schnell und kurz darauf regnet es leicht. Gut, dass wir alle unsere Ölsachen angezogen haben (Regenjacke, -hose und Gummistiefel). Aber kalt ist es auf alle Fälle. Obwohl es Sommer ist und auch oft die Sonne scheint, tragen wir unter den Ölsachen, die zumindest den Wind abhalten, mehrere Lagen. Ich habe mir gefühlt alles angezogen, was ich dabeihabe und frage mich, wie man es hier aushält, wenn es kälter ist. Wenn der Wind nicht nur bläst, sondern über das Schiff fegt, dass man sich kaum auf den Beinen halten kann und es regnet, dass man die Hand vor Augen nichtmehr sieht. Denn auch dann kann man sich nicht nur unter Deck verstecken. Auch dann gibt es draußen Arbeiten zu erledigen, z.B. Wache gehen.

Auf Deck stellen wir uns nach unseren Wachen sortiert auf und bekommen gleich eine Aufgabe: Putzen, oder wie man in Seemannssprache sagt: Reinschiff machen. Meine Wache muss die Duschen und Klos putzen. Das gehört eben auch dazu, denn wir wollen es ja alle sauber haben.

Und dann geht es auch endlich los. Der Anker wird gehievt und wir setzen die ersten Segel. Es ist anstrengend an den Seilen zu ziehen, um das Segel zu hissen, aber mich überkommt dabei eine gewisse Euphorie: Wir stechen in See! Und gleichzeitig frage ich mich, wie der Bordalltag gewesen sein muss, als es noch keine modernen Hilfsmittel gab: Kein Motor, der uns jetzt antreibt, wenn kein Wind weht oder er aus er falschen Richtung kommt. Kein Motor, der die Seilwinde antreibt, die den Anker lichtet. Und auch kein Strom für Licht und für den Herd in der Kombüse. Heute müssen wir leider hauptsächlich mit dem Motor fahren, da wir für unser anvisiertes Ziel nicht mit dem Wind fahren können.

Am Vormittag habe auch ich zum ersten Mal Wache. Dass das genau in die Mittagsessenszeit fällt, ärgert mich ein wenig, denn ich habe schon mächtig Hunger. Nach dem leckeren Ofengemüse, das die Backschaft vorbereitet hat, geht es gleich wieder zurück auf das Achterdeck. Dort stehe ich einige Zeit im Ausguck. Meine Aufgabe ist, alles zu melden, was ich auf dem Wasser entdecke. Abgesehen von ein paar weit entfernten Schiffen ist nichts zu sehen. Aber während ich auf das Wasser schaue, bekomme ich eine Ahnung davon, was die Seefahrer und Meeresliebhaber so an dem großen Blau fasziniert. Diese Naturgewalt, die Wellen, die an unser Schiff schlagen, lassen mich spüren, wie klein wir doch sind. Unser Schiff, das zwar nicht gerade winzig ist, schaukelt hin und her und mir wird klar, wie nichtig unsere Existenz doch ist, aber wie viel wir trotzdem bewegen können. Ich blicke in die Ferne, die mir zunächst endlich scheint, doch je länger wir fahren, desto näher kommen wir dem Land und damit auch unserem Ankerplatz in der Flensburger Bucht.

Auch ich darf dann mal am Steuer stehen. Es ist gar nicht so einfach, bei den vielen Geräten den Überblick zu behalten und damit auch Kurs zu halten. Noch schwieriger ist es, im richtigen Maß am Steuer zu drehen, denn das Schiff reagiert nur langsam und durch die Wellen und die Strömung kommt man schnell vom Kurs ab.

Vor der Kaffeepause (es gibt Erdbeerquark) unterhalten wir uns in fröhlicher Runde in der Messe (dem Essens- und Aufenthaltsraum unter Deck). Danach geht es direkt weiter mit verschiedenen Workshops. Ich lerne bei Malte, wie man eine Seekarte liest und was man auf ihr alles sehen kann. Es ist sehr interessant.

Jetzt ist es Abend. Wir haben eben gegessen. Ich sitze in der Messe und denke darüber nach, wie die Nacht wohl sein wird. Ich habe Nachtwache von zwei bis vier Uhr und habe schon jetzt keine Lust darauf, aufzustehen, obwohl ich nicht einmal schlafe. Es wird sicherlich sehr anstrengend, aber vielleicht bekommen wir als Entschädigung den Sonnenaufgang zu sehen. Ein Sonnenaufgang auf dem Wasser in der Stille der Flensburger Förde.

 

 

von Aila

 

 

Mittwoch 03. Juli 2019

 

Heute gab es für die Jugendlichen an Bord sowie an Land viel zu erleben. Nach einem reichhaltigen Frühstück hieß es erstmal für viele von uns aufentern ins Rigg. Dies bedeutet, dass die Jugendlichen nach Einweisung der Stammbesatzung in die Masten klettern dürfen, um Arbeiten zu verrichten oder wie in unserem Fall sich an die Höhe zu gewöhnen und dort die Aussicht zu genießen. Anfängliche Skepsis wurde in Kletterlust umgewandelt und so sind alle über ihre Grenzen hinausgewachsen. Die strahlenden Gesichter der Jugendlichen waren kaum zu verbergen und die Crew war stolz auf diese Leistung. Währenddessen fuhr der Rest der Besatzung das Schiff in Richtung Flensburger Hafen wo wir mit einem „All hands“- Manöver anlegten. Für die Jugendlichen gab es nun die Möglichkeit ein naturwissenschaftliches Museum oder den Museumshafen zu besichtigen als weitere Option an einer Stadtralley teilzunehmen. Den Aufenthalt in einer für viele unbekannten und sehr schönen Hafenstadt wie Flensburg haben alle genossen. Jedoch haben wir nach einigen Stunden den Hafen wieder verlassen, um uns mit Segeltraining auf den kommenden Segeltag vorzubereiten. Westliche Winde sollten uns am Donnerstag zurück nach Strande bringen und dafür wollten wir vorbereitet sein. So durften einige nochmals in die Masten klettern während die anderen der Besatzung bei einer Halse halfen.

An Bord sind alle wohlauf und haben sich an den Alltag hier an Bord gewöhnt.

Die Vorbereitungen für das morgige Captain´s Dinner laufen.

 

von Maria / Projektleitung

 

Donnerstag 04. Juli 2019

 

Moin Moin und Servus ihr Landratten

Der Alltag auf dem Schiff ist etwas anders als zu Hause. Das ganze fängt schon damit an, dass der Boden ab und zu schwankt. Das macht das geradeaus-laufen manchmal etwa interessant. Besonders wenn man Sachen wie zum Beispiel Geschirr die steilen Treppen nach unten trägt kommt man leicht aus dem Gleichgewicht. Auch das morgendliche Duschen gleicht eher einer Katzenwäsche, weil das Trinkwasser für alle auf 17,4m3 begrenzt ist. Somit ist bei einem Wasserverbrauch von durchschnittlich 1,5m3 nach spätersten 10 Tagen alle. Aus diesem Grund sollte man sparsam mit dem Wasser umgehen und darauf achten, dass das Wasser nicht ausgeht. Die Schlafmöglichkeiten sind auch weit nicht so luxuriös wie Zuhause. In den Kojen schläft man bis zu 6. Auf gefühlten 6m2. Dies ist eine sehr enge Angelegenheit im Vergleich zu den Schlafzimmern zuhause, aber an Bord kann man sehr gut schlafen. Zudem ist noch anders, dass man einiges an Arbeit hat um den normalen Schiffsbetrieb am Laufen zu halten, hierzu gehören Aufgaben wie Segel setzen oder bergen, sowie Backschaft um das Essen für alle vorzubereiten, zusätzlich kommt noch hinzu, dass jede Wache einen Bereich hat in dem sie „Reinschiff“ machen muss. Dies bedeutet, dass man aufräumt, fegt, wischt und alles wieder in Ordnung bringt, damit es immer ordentlich ist. Jetzt gerade fängt das Schiff wieder an bisschen zu schwanken, dies ist ein noch sehr ungewohntes Gefühl, das aber angenehm ist. Heute haben wir viele verschiedene Segel gesetzt, welches zwar eine sehr schweißtreibende Arbeit ist, aber eine sehr schöne Arbeit. Das anstrengendste ist die Segel hoch zu ziehen, aber es lohnt sich, denn das Gefühl, wenn die Maschine endlich aus ist und man nur mit der Kraft des Windes fährt, ist unbeschreiblich. Da man unbeschreibliche Sachen wohl bekanntlich nicht beschreiben kann, höre ich hier auf zu schreiben. 🙂

 

von Jannik

 

Freitag 05.07.2019

 

Der Tag begann gut. Ich hatte in der Nacht keine Wache und konnte dementsprechend „lange“ schlafen. Beim Wecken hatte ich dennoch keine Lust aufzustehen und hab mir, als Lana ins Zimmer kam, erstmal den Kopf angestoßen. Ich bin einfach größere Betten gewohnt, als die kleine Koje auf der Thor. Beim Frühstück gab es dann unter anderem Brot mit schwarzem Kaffee (ein Wundermittel gegen Schlafmangel.) und diesmal auch noch zusätzlich Marmorkuchen zum Geburtstag von Annika, welchen ich am Tag vorher mit Vroni gebacken hatte. Nach dem Frühstück hatten wir ein bisschen Zeit und so konnte ich noch schnell meinen Rucksack packen. Gerade als ich fertig war, leutete das Signal K (bedeutet: In wetterfester Kleidung auf dem Deck versammeln.). Ich stand dann also in meiner olivgrünen Öljacke kurze Zeit später neben Steffen und Tim bei Wache 3 auf dem Hauptdeck und hörte mir an, wozu wir eingeteilt wurden. In unserem Fall war es, für das Anlegen an der Pier, die Achterleine. Ich wurde aber schon nach dem Bereitlegen der Leinen von Jonas abgefangen um ihm im Rescueboot als Funker zu unterstützen. Ich glaube es gibt bessere Funker wie mich. Funker, welche nicht beim ersten Funkspruch dreimal nachfragen müssen J. Danach lief dann aber alles gut und Jonas und ich haben die „Leinenmenschen“ an der Pier in der Schwentine abgesetzt. Als das getan war, konnten wir zurück zur Thor fahren. Beim Bootfahren und dem Geruch von Zweitaktabgasen musste ich wieder an Zuhause denken. Dabei überkam mich ein sehr komisches Gefühl. Ich sehnte mich nach meinem Bett und meinem Schuppen, wollte aber überhaupt nicht weg von der Thor und den Leuten. Beim Anlegen wurde das Rescueboot dann zum Aushilfs-Bugstrahlruder umgewandelt. Wir mussten auf Ansage mit dem nagelneuen 40 PS Außenborder das Rescue-Boot gegen den Bug drücken um in der Schwentine zu drehen und anzulegen. Nachdem das geklappt hat, konnten wir raus aus dem Boot und zurück an Bord. Die letzte Zeit verbrachten wir dann mit Packen und nochmal mit Klarschiffmachen. Wie immer hat mich meine Kazoo beim Putzen begleitet. Während ich die Fächer vom Kühlschrank in der Messe gereinigt habe, wurde dabei die Melodie von „Wir lagen vor Madagaskar“ gesummt. Auf das Lied hat mich ein Vorschlag beim Captainsdinner gebracht und nun ging es mir nicht mehr aus dem Kopf. Nachdem dies aber getan war hieß es Abschied nehmen. Die ersten Eltern waren da und ein paar Leute gingen schon nah Hause. Meine Mutter war noch nicht da und ich hatte noch Zeit mit den anderen Wartenden zu reden. In der Zeit musste man sich aber auch schon von den ersten Leuten verabschieden. Es tat schon irgendwie weh, weil man sich in den fünf Tagen schätzen gelernt hat und man auch die ein- oder andere Freundschaft geknüpft hat. Irgendwann kam dann auch meine Mutter und meine Schwester. Ich hatte so viele verschiedene Gedanken, dass ich zu überfordert war um sie richtig zu begrüßen. Der Abschied fiel mir dann auch irgendwie schwer. All die Leute die auf einmal was von mir wollten. Ich habe versucht so vielen wie möglich „Tschüss“ zu sagen. Ich wollte aber eigentlich gar nicht weg. Das Gefühl diese Leute vielleicht nicht wieder zu sehen war nicht schön. Ich möchte aber die Hoffnung nicht aufgeben und habe mir vorgenommen die Ausbildung zum Stamm zu machen und damit zumindest den Stamm öfters zu sehen. Auch möchte ich solche Jugendreisen dadurch in Zukunft unterstützen. Denn die Schönheit einer Reise unter Segeln für Jugendliche mit oder ohne Einschränkungen möchte ich auch an andere weitergeben. So wie die Betreuer und der Stamm es bei meinen letzten zwei Reisen getan haben.

Ich freue mich, dass es in zwei Jahren wohl wieder soweit sein soll und hoffe auch auf dem Törn dann dabei zu sein- ob als Stamm oder als Schüler.

 

von Hannes

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